VPN-Markt 2026: Wem du noch vertrauen kannst (und wem nicht mehr)

VPN-Markt 2026: Wem du noch vertrauen kannst (und wem nicht mehr)

Wer heute nach „Bester VPN 2026“ in die Suchmaschine tippt, landet in einem Minenfeld. Die Top-10-Listen sind vollgestopft mit gekauften Platzierungen und Affiliate-Links von Anbietern, die mehr Budget ins Marketing stecken als in ihre IT-Sicherheit.

Die VPN-Landschaft hat sich massiv verändert: Ehemalige „Log-Free“-Helden wurden von Datenkraken aufgekauft, andere sind technisch in der Steinzeit steckengeblieben. Es ist Zeit für eine ehrliche Bestandsaufnahme abseits des Mainstreams.

Hier sind die wenigen Anbieter, die wir noch empfehlen können – und die „Rote Liste“, von der du besser die Finger lässt.


✅ Die Empfehlenswerten: Transparenz & Technik

Diese Anbieter sind (noch) unabhängig, technisch versiert und haben ihre Integrität in der Praxis unter Beweis gestellt.

1. Mullvad VPN (Der Goldstandard für Anonymität)

Mullvad bleibt die unangefochtene Referenz, wenn es um Anonymität geht. Das Konzept ist radikal datensparsam: Keine E-Mail-Adresse, keine Passwörter. Du generierst eine zufällige Account-Nummer und zahlst – wenn du willst – mit Bargeld im Briefumschlag.

Ein entscheidender Moment war die Polizeirazzia 2023 in den schwedischen Büros. Die Beamten mussten unverrichteter Dinge abziehen, weil es schlichtweg keine Daten zu beschlagnahmen gab. Mullvad machte den Vorfall sofort transparent öffentlich. Das ist Vertrauen, das man nicht kaufen kann.

  • Das Besondere: Konsequenter Verzicht auf Affiliate-Marketing. Niemand empfiehlt Mullvad, um daran reich zu werden – sondern weil es gut ist.
  • Technik: RAM-Only Server, Open Source Software, regelmäßige externe Audits und ein strikter „Sperrmodus“ (Leak-Schutz).
  • Preis: Seit 2009 stabil bei 5 € monatlich.

Fazit: Wer maximale Privatsphäre will und mit dem puristischen Ansatz klarkommt, ist hier zu Hause.

  • Pro: Bewiesene „No-Logs“-Policy, fairer Festpreis, hohe Geschwindigkeit.
  • Neutral: Es sind 5 gleichzeitige Verbindungen erlaubt. Standort ist Schweden (14-Eyes), was durch die Datensparsamkeit aber kompensiert wird.
  • Contra: Mullvad unterstützt keine Portweiterleitung mehr. Wer das braucht (z.B. für spezielles Filesharing/P2P), muss zu AirVPN oder hide.me greifen.

2. hide.me VPN

Früher bekannt durch aggressive Werbung in Warez-Foren, hat sich hide.me zu einem technischen Schwergewicht entwickelt.

  • Vertrauensbasis: Der Anbieter sitzt in Malaysia (außerhalb der 14-Eyes-Allianz) und ist seit 2012 am Markt. Dass sie jahrelang die erste Wahl für die „Szene“ waren und nie Nutzerdaten herausgegeben haben, ist der beste Praxistest. Zudem lassen sie ihre Sicherheit regelmäßig durch externe Audits bestätigen.
  • Technik-Monster: Im Gegensatz zu vielen anderen unterstützen sie echte Portweiterleitung (dynamisch) und erlauben bis zu 10 gleichzeitige Verbindungen.
  • Protokolle: Die Auswahl ist riesig. Neben WireGuard und IKEv2 werden auch OpenVPN, SoftEther und SSTP unterstützt.

Fazit: Ein solider Allrounder, der Technik und Usability gut vereint.

  • Pro: Ram-Only Server, Community Forum, extrem schnell, fairer Preis bei langer Laufzeit (z.B. 27-Monats-Pakete).
  • Contra: Der Client ist (im Gegensatz zu Mullvad/IVPN) nicht komplett Open Source.

3. IVPN.net

Während viele Anbieter Datenschutz nur als Marketing-Slogan nutzen, lebt IVPN ihn radikal vor.

  • Echte Anonymität: Wie bei Mullvad gibt es keine E-Mail-Verknüpfung. Die Anmeldung erfolgt über eine zufällig generierte Account-ID.
  • Anti-Zensur: Mit der V2Ray Obfuscation (jetzt auch auf Mobile) wird der VPN-Traffic als normaler HTTPS-Webseiten-Aufruf getarnt. Das ist Gold wert in restriktiven Netzwerken (Firmen-WLAN, China, Unis).
  • Sicherheits-Fokus: Der integrierte SOCKS5-Proxy funktioniert nur innerhalb des Tunnels. Bricht die Verbindung ab, stoppt der Datenverkehr sofort – ein massiver Vorteil für Torrent-Nutzer.

Fazit: Ein ethischer Anbieter für alle, die Open Source und Unabhängigkeit unterstützen wollen.

4. AirVPN

Ein Projekt von Aktivisten und Hacktivisten für Profis. Hier steht Technik über Design.

  • Transparenz: Auf der Webseite sieht man in Echtzeit die Auslastung jedes einzelnen Servers. Das Forum ist eines der kompetentesten im ganzen Netz.
  • Feature-King: Im Gegensatz zu Mullvad bietet AirVPN volle Unterstützung für Portweiterleitung, was es bei Filesharern sehr beliebt macht.
  • Wichtige Einschränkung: Der „Network Lock“ (Killswitch) greift standardmäßig erst, nachdem die Verbindung steht. Das bedeutet: Beim Start von Windows kann es zu kurzfristigen Leaks kommen, bis man mit dem VPN verbunden ist.

Fazit: Top für IT-Kenner, die ihre Firewall selbst im Griff haben. Für Anfänger aufgrund der Usability eher ungeeignet.

5. VPN.ac

Ein kleiner, feiner Dienst aus Rumänien, betrieben von IT-Security-Experten (Pentestern).

  • Status: Seit Ewigkeiten am Markt, ohne verkauft worden zu sein. Solide Verschlüsselung, keine Logs.
  • Performance: Sie können in Sachen Speed oft nicht ganz mit den Riesen (Mullvad/hide.me) mithalten. Auch hier gilt (ähnlich wie bei AirVPN): Der Leak-Schutz beim Systemstart muss manuell bedacht werden.

Fazit: Ein sympathischer „Underdog“ für Puristen.


❌ Die „Rote Liste“: Finger weg!

Diese Anbieter sind entweder technisch verfallen, haben fragwürdige Eigentümerwechsel hinter sich oder sind schlichtweg offline.

1. Perfect Privacy (Offline & Vertrauen zerstört)

Jahrelang war PP das Nonplusultra für Sicherheit. Das ist vorbei.

  • Der Totalausfall: Der Anbieter ist seit einer Woche komplett offline. Die Webseite ist nicht erreichbar, die Server antworten nicht. Es gibt keine Kommunikation.
  • Warnung: Selbst wenn der Dienst wider Erwarten noch einmal online kommen sollte: Finger weg! Ein Sicherheitsanbieter, der kommentarlos für Tage verschwindet, ist untragbar. Zudem wechselte das Impressum zuletzt auf eine GmbH in Hamburg, was den einstigen „No-Logs“-Status ohnehin rechtlich fragwürdig machte. Die Nutzer sind längst zu anderen Diensten abgewandert.

2. OVPN.com (Verkauft an Pango)

Einst ein starker, unabhängiger schwedischer Anbieter. Die Übernahme durch die Pango Group (denen u.a. Hotspot Shield gehört) hat das Vertrauen zerstört. Wenn ein kleiner Datenschutz-Spezialist von einem US-dominierten Daten-Konzern geschluckt wird, ist die Unabhängigkeit dahin.

3. VyprVPN (Übernahme & Konsolidierung)

VyprVPN gehörte lange zu „Golden Frog“ und warb mit eigenen Servern.

  • Das Problem: Auch hier gab es Übernahmen (Teil der Certida-Gruppe). In Zeiten von Marktkonsolidierung gilt: Sobald ein VPN Teil einer großen Investorengruppe wird, steht Profit meist über Privacy.

4. Die Kape Technologies Gruppe

Ein riesiger Warnhinweis für alle Marken, die zu Kape Technologies gehören. Kape (früher Crossrider, mit Vergangenheit im Adware-Bereich) dominiert den Markt. Ihnen gehören nicht nur die VPNs, sondern auch die Testseiten, die sie empfehlen (z.B. vpnmentor, wizcase).

Zu diesem Imperium gehören:

  • CyberGhost
  • ExpressVPN
  • Private Internet Access (PIA)
  • ZenMate

Diese Dienste sind reine Marketing-Maschinen. Wer echte Privatsphäre sucht, macht einen Bogen um dieses Konglomerat.

5. NordVPN & Surfshark

NordVPN hat Surfshark fusioniert. Beide Anbieter setzen extrem aggressiv auf Influencer-Marketing. Auch wenn die Technik funktionieren mag: Hier steht Profitmaximierung im Mittelpunkt. Es gibt leisere Alternativen, die weniger Daten über ihre Nutzer sammeln müssen, um ihre gigantischen Werbekosten zu decken.


Das Fazit für 2026

Der Markt bleibt unübersichtlich. Die goldene Regel lautet: Meide die riesigen Datenkonzerne (Kape, Pango), die VPNs wie Fast-Food verkaufen.

Unterstütze stattdessen die unabhängigen Bastionen:

  • Nimm Mullvad oder IVPN für maximale Anonymität und Datensparsamkeit.
  • Nimm hide.me oder AirVPN, wenn du Features wie Portweiterleitung brauchst oder etwas Geld sparen willst.

Sicherheit ist heute eine Frage der Besitzverhältnisse. Schau ins Impressum, nicht auf die bunten Werbebanner.

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